Lernen online: Datenschutz

Alles recht?

Besonders seit Beginn der Schulschließungen versuchen viele Schulen, einen Teil des Unterrichts digital und online anzubieten. Dabei geht es von der Bereitstellung von Medien und (interaktivem) Arbeitsmaterial bis hin zu ausdruckbaren Arbeitsblättern und Videokonferenzen. Technisch wird dies sehr unterschiedlich umgesetzt. Und datenschutzrechtlich bestehen in vielen Fällen noch Zweifel an der Zulässigkeit. Zuletzt wurde das beispielsweise hier kritisiert.

Klar ist, dass Lehrerinnen und Lehrer die Lösungen nutzen dürfen, die ihnen vom Land bereitgestellt werden. Hier können sie sicher sein, dass alle Fragen zum Datenschutz geklärt wurden, bevor eine Freigabe erfolgte. Dies sind zur Zeit (7/2020):

  • Moodle als Lernmanagementsystem, gehostet vom Landeshochschuldienstleister BelWue auf landeseigenen Servern.
    • Zugang beschränkt auf LehrerInnen und SchülerInnen der jeweiligen Lerngruppe
    • Bereitstellung von Medien, Texten, Links, Aufgaben
    • Durchführung von Aufgaben, Rückmeldungen
    • Kommunikation in Foren
  • BigBlueButton als Moodle-Plugin für Videokonferenzen (daher auch nur für die jeweilige Lerngruppe zugänglich)
  • Threema Work als datenschutzgeprüfter Messengerdienst

Zusätzlich bietet das Kreismedienzentrum, ebenfalls nach datenschutzrechtlicher Abklärung und entsprechenden Vereinbarungen mit Schulverwaltung und Dienstleister, weitere Dienste auf deutschen Servern an:

  • Jitsi Meet und die (google-freie) App "Medienzentrum Klassenraum" für Videokonferenzen (wenn gemäß Nutzungsvereinbarung mit Passwortschutz versehen)
  • "KMZ-Pad", ein Etherpad zur kollaborativen Texterstellung

In Vorbereitung (aber noch in der datenschutzrechtlichen Überprüfung) befinden sich weitere Module der "Digitalen Bildungsplattform" wie die dienstliche E-Mail-Adresse nach dem Muster Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (soll im Herbst 2020 kommen), eine Office-Lösung und ein weiteres LMS (ebenfalls für Herbst 2020 angekündigt).

Für Verwirrung (bis Erleichterung und Aufbruchsstimmung) sorgte ein Schreiben von MD Föll aus dem KM vom 19.03.20, in welchem er "O365" explizit als eine Möglichkeit, mit Schülern in Kontakt zu bleiben, erwähnt. Daneben seien auch andere marktverfügbare Instrumente datensparsam zu nutzen.

Diese Aussage führte in vielen Fällen zum schulweiten Einstieg in Microsoft365 und andere Cloudlösungen, oft aber auch zu "Wildwuchs" verschiedener Systeme innerhalb einer Schule mit einer möglichen Vervielfachung der Datenrisiken.

Der Bildungsspeziallist beim Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationssicherheit (LfDI) erklärte später in einem Interview, dass jeder Schulleiter, der "mit Sicherheit ausschließen" könne, dass Daten vom Anbieter ausgelesen werden, solche Systeme für seine Schule genehmigen könne. Dies könne er selbst nämlich nicht.

Somit herrscht weiter Unklarheit, ob andere als die landeseigenen Lösungen die Vorgaben des Datenschutzes erfüllen. Und beim Datenschutz gilt die Regel: Wenn Zweifel bestehen - unterlassen! Somit lautet auch unsere Empfehlung an dieser Stelle:

  • Setzen Sie nur die explizit freigegebenen Systeme ein!
  • Und warten Sie mit der Einführung eines gänzlich neuen LMS oder Office-Systems noch ein paar Wochen.